24. Februar 2010
Die Freunde alter Menschen unterstützen ihren Schwesterverein in Warschau (mali bracia Ubogich) beim Aufbau von niedrigschwelligen Hilfeangeboten für Menschen mit gerontopsychiatrischen Veränderungen und deren Angehörige.
Die besondere Aufmerksamkeit gilt bei diesem Projekt den alten Menschen, die in irgend einer Weise Opfer des Nazi-Regimes in Polen gewesen sind, also Internierte von Konzentrationslagern, Zwangsarbeiter/innen und Widerstandskämpfer und andere.
Bei diesem Personenkreis ist die Gefahr von traumatischen Erinnerungen am Ende des Lebens besonders groß, insbesondere wenn dieser Lebensabschnitt mit einer demenziellen Erkrankung einhergeht (z.B. Alzheimer).
Wir wollen für diese Thematik sensibilisieren und mit Hilfe von vielen freiwilligen Mitarbeiter/innen ein umfangreiches Beratungs- und Unterstützungsangebot entwickeln.
Vorgesehen sind unter anderem Informations- und Besuchsreisen, Gruppenangebote für die Zielgruppe, ein Besuchsdienst sowie spezielle Schulungen für Freiwillige und professionelle Helfer zu dieser Thematik.
Oktober 2009: Besuch von polnischen Freiwilligen in Berlin
In Begleitung der polnischen Koordinatorin des Projekts waren 5 polnische Freiwillige 4 Tage in Berlin, um sich Angebote für demenzkranke Menschen in der Stadt anzuschauen.
Ganz oben auf der Agenda standen dabei natürlich die Wohngemeinschaften von Freunde alter Menschen. Eine polnisch sprechende Mitarbeiterin des beteiligten Pflegedienstes (vielen Dank noch einmal an Jadwiga Schwamberger!) berichtete unserem Besuch von der Herausforderung der Alltagsgestaltung und pflegerischen Versorgung der WG-Mitglieder, aber auch von den vielen schönen und befriedigenden Momenten, die die Arbeit in den Wohngemeinschaften bereit hält.
Jadwiga Schwamberger mit Klaus Pawletko, dem Geschäftsführer von Freunde alter Menschen und einer polnischen Freiwilligen
(v.l.n.r.)
Am nächsten Tag stand der Besuch des Heinrich-Grüber-Hauses in Zehlendorf auf dem Programm. Dieses Pflegeheim hat einen Arbeitsschwerpunkt auf der Versorgung ehemals rassisch Verfolgter und verfügt über eine lange Erfahrung im Umgang mit traumatisierten NS-Opfern. Auch hier gilt besonderer Dank der Heimleitung, Frau Reimer, die - ebenfalls mit einer polnischsprachigen Mitarbeiterin - einen lebendigen Eindruck der Arbeit Ihres Hauses vermittelte.
Der dritte Tag führte wieder zu einem Angebot von Freunde alter Menschen, dem Besuchsdienst für Menschen mit Demenz zur Entlastung pflegender Angehöriger. Unser Tempelhofer Standort organisiert diese Besuche im Rahmen der sog. niedrigschwelligen Angebote nach §45 der Pflegeversicherung seit 2007 und hat mittlerweile profunde Erfahrungen mit dem Klientel und der Schulung von Freiwilligen, die sich in diesem Bereich engagieren wollen.
zu Besuch bei Freunde alter Menschen in Tempelhof
Veranstaltungshinweis:
Die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft veranstaltet mit der deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde am 6. und 7.Mai eine Konferenz mit dem Thema:
"ALT SEIN IM OSTEN EUROPAS".
Im Rahmen dieser Konferenz wird unsere Partnerorganisation "mali bracia ubogich" eine Fotoausstellung präsentieren, die alte Menschen in Warschau in ihren Wohnungen portraitiert.
Dieses Projekt ist ermöglicht worden durch die Förderung der
Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft
