Armand Marquiset: Gründer der »les petits frères des Pauvres«

Armand Marquiset wurde am 29. September 1900 im
Schloss Montguichet in der Nähe von Paris geboren. Dank seiner Eltern und Großeltern hat er eine unbeschwerte Kindheit. In seiner Jugend führt er ein eher verschwenderisches Leben. Er ist ein schlechter Schüler, begeistert sich aber für Musik und nimmt Unterricht bei
Nadia Boulanger.
Anfang der zwanziger Jahre besucht er gemeinsam mit seiner Großmutter Madame de Laumont alte mittellose Menschen, deren Söhne im Krieg gefallen sind. Es ist das erste Mal, daß der junge, weltgewandte Lebemann mit echter Armut konfrontiert wird.
Sein Leben von 1920 bis 1930 könnte nicht kontrastreicher sein: 1925 bekennt er sich wieder zum christlichen Glauben – zugleich veranstaltet er regelmäßig große Feste in seiner prachtvollen Villa in der Nähe von Honfleur. Einerseits verkehrt er mit berühmten Filmstars aus Hollywood, andererseits zieht er sich oft in die Abtei „Solesmes“ zum Beten und Innehalten zurück.
Der Tod seiner Großmutter 1930 versetzt ihm einen folgereichen Schock: „Dieser Tod sollte mein Leben verändern [...]. Ich konnte nicht mehr komponieren. Ich suchte Nadia Boulanger auf und sagte ihr, dass ich die Entscheidung getroffen hatte, mit der Musik aufzuhören und in den Dienst der Armen zu treten.“

Er beginnt seine humanitäre Arbeit damit, Mahlzeiten für Obdachlose bei der „Oeuvre de la mie de pain“ („Brotkrumen Organisation“) zuzubereiten. Dann unterstützt er materiell arbeitslose Künstler, indem er den Verein „Pour que l’esprit vive“ („Dass der Geist lebe“) gründet. Er hilft den verarmten Kindern in den Pariser Vororten in dem er eine weitere Organisation „les Amis de la banlieue“ („die Freunde der Vororte“) ins Leben ruft.
Armand Marquiset sehnt sich aber nach einer größeren Aufgabe und allmählich kristallisiert sich in ihm die Idee der „petits frères“. Am 7. Juli 1939 in Notre-Dame zu Paris kommt ihm dann die Eingebung: Der Plan, die „les petits frères des Pauvres“ („die kleinen Brüder der Armen“) zu gründen, war geboren.
Dann bricht aber der Krieg aus und Armand Marquiset verwirft seine Pläne zunächst einmal, um sich mit naheliegenderen Dingen zu befassen. 1939 gründet er „Servir“ („Dienen“) und schickt damit die Kinder eingezogener Soldaten auf das Land. In Lyon hilft er Flüchtlingen aus Elsass-Lothringen durch die „Secours national“ (Nationale Hilfe) und organisiert die Lebensmittelversorgung mit Hilfe der Organisation „Lyon-Charitable“, die bis zu 70.000 Mahlzeiten pro Tag anbieten kann. Im weiteren führt ihn sein Engagement nach Algerien und Spanien.

„1945 war die prekäre Lage der Alten [...] zu einem der vordringlichsten Probleme geworden. Sie waren durch den Krieg verarmt [...] und es ging vor allem darum, ihnen zu helfen, auch weiterhin in Ihren Wohnungen leben bleiben zu können und dies – angesichts der allseits schwierigen Situation – unter den bestmöglichen Bedingungen.“ Armand setzt also seine Idee der „petits frères des Pauvres“ - „Freunde alter Menschen“ in die Tat um: Er bringt alten Menschen Mahlzeiten und kleine Geschenke. Vor allem bietet er aber auch seine Gesellschaft und Freundschaft an und nicht zu vergessen: er verschenkt Blumen.
Die Not in diesen Nachkriegsjahren ist groß. Durch das Sammeln von Spenden beschafft er die nötigen Mittel, um mit seinen „alten Freunden“ Weihnachten zu feiern und ihnen einen kurzen Urlaub in den „Schlössern der Freude“ anzubieten. In der Folge werden diverse Niederlassungen in Frankreich und Tochtervereine im Ausland gegründet.

Armand hat sich fast zwanzig Jahre lang stets mit großer Leidenschaft in das „Abenteuer des Helfens“ gestürzt.
1964, nach einer Reise durch Indien, bei der ihm die allseits anzutreffende Not zutiefst erschüttert hat, ruft Armand Marquiset das Projekt „Les Enfants du Tiers Monde“ („Die Kinder der Dritten Welt“) ins Leben. Er zieht sich aus der Führung der „les petits frères des Pauvres“ zurück u. a. um „Frères des Hommes“ („Brüder der Menschen“) zu gründen, eine Organisation, die innerhalb von fünf Jahren in vielen Entwicklungsländern auf drei Kontinenten ihre Wurzeln schlägt.
1969 bekommt Armand einen Herzinfarkt und muss die Leitung von „Frères des Hommes“ abgeben. Dies hindert ihn aber nicht daran, kurz danach eine neue Stiftung zu gründen, die „Frères du ciel et de la Terre“ („Brüder des Himmels und der Erde“), deren Mission es ist, isolierten Menschen zu helfen.
Bis zu seinem Tod, am 14. Juli 1981 in Burtonport (Irland), trat Armand Marquiset immer wieder aktiv für seine Mitmenschen ein.